Texte für draußen: aus der Schreibwerkstatt der Identitäter

Bunte Zettel mit Stichworten liegen in der Schreibwerkstatt

Die neue Eigenproduktion der Identitäter – also des Jugendclubs des Theaters – hat den Titel „Ausgesetzt“, denn es geht raus aus dem Theater. Zusammen mit dem Publikum begeben sich die Spieler auf Wanderschaft in die Koblenzer Wildnis. Das Besondere in dieser Spielzeit: Auf dem Weg zum Stück begleitet die junge Autorin Nadine Kaufmann die Proben. So wird es neben Ausflügen ins Grüne und Survivaltraining auf der Bühne auch eine Exkursion ins szenische Schreiben geben. Eine erste Schreibwerkstatt hat schon stattgefunden. Lena Wecker, die in dieser Spielzeit ihr Freiwilliges Soziales Jahr Kultur am Theater Koblenz macht und die Assistentin der Eigenproduktion „Ausgesetzt“ ist, hat (unter anderem) die Aufgabe, neugierig zu sein. Sie hat Nadine Kaufmann über das Schreiben befragt.

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Vorgefühlt: „Pippi plündert den Weihnachtsbaum“

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Foto: Matthias Baus für das Theater Koblenz

„Hier riecht’s nach Pferd!“, denke ich gerade, als ich auf einem Stück Sahnetorte ausrutsche. Ich falle um und liege bäuchlings auf dem Boden, da spüre ich eine kleine, pelzige Hand im Nacken, die mir Kuchenreste aus dem Haar fummelt. Warum riecht es hier nach Pferdestall und warum liegt Torte im Flur? Und welcher Kollege hat so kleine haarige Händchen? Eklig! Jetzt ist meine Kleidung völlig ruiniert und ich verpasse meinen wichtigen Termin. Ich flippe gleich aus! Verrückt, das ist mir selbst im Theater noch nicht passiert.

Genervt hebe ich den Kopf und sehe ein schwarzes Paar Stiefel und geringelte Socken, die mit unmöglichen Strumpfhaltern zusammengehalten werden. Zwei dünne Beinchen enden unter einer bunt gemusterten Schürze. Ein Lumpenmännchen, denke ich – seltsam. Mein Blick wandert weiter aufwärts und bleibt an zwei roten Zöpfen hängen. Das ist ja Pippi Langstrumpf, das Idol meiner Kindheit. Sie steht wahrhaftig vor mir. Na, da erklären sich ja auch plötzlich der Pferdegeruch und die pelzigen Händchen. Herr Nielsson und kleiner Onkel sind auch mit dabei. Das ist eine Freude! Ich rappel mich auf und begrüße die drei herzlich.

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Vorgefühlt: „Die Herzogin von Chicago“

Foto: Matthias Baus für das Theater Koblenz

„Die Herzogin von Chicago“ kündigt sich in der nächsten Premiere am Samstag, den 12. November, an. Die Operette ist bei Weitem nicht so bekannt wie beispielsweise „Die Csárdásfürstin“, obwohl sie beide aus der Feder des Komponisten Emmerich Kálmán stammen.

Der Sohn einer ungarisch-jüdischen Kaufmannsfamilie wuchs am Plattensee auf. Er absolvierte ein Jura-Studium und ein Musikstudium in Budapest, nachdem ihm das angestrebte Berufsziel des Konzertpianisten wegen einer Handverletzung verwehrt blieb. Später lebte und arbeitete er in Wien, er war ein gewiefter Geschäftsmann und im Theater an der Wien als Hauskomponist tätig.

Kálmán ist ein großer Repräsentant der silbernen Operetten-Phase, die im frühen 20. Jahrhundert anzusiedeln ist, eine Generation nach Johann Strauss und Franz von Suppé. Er hat die Zeichen der Zeit mit allen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Ereignissen erkannt und in seine Operetten integriert. Sein Ehrgeiz und die Arbeitsroutine ermöglichten es ihm, alle zwei Jahre eine neue Operette herauszubringen: 1924 „Gräfin Mariza“, 1926 „Die Zirkusprinzessin“, 1928 „Die Herzogin von Chicago“.

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Vorgefühlt: „MIRJAM & MYRIAM“

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Myriam Rossbach und Mirjam Schollmeyer spielen in „MIRJAM & MYRIAM oder: Sieh dich vor, im Traum eines kleinen Mädchens gefangen zu sein“.

Ein Mädchen besteht zu 30 Prozent aus Wasser, aus 70 Prozent Angst, aus 40 Prozent Herz und 5 Prozent Verstand. Naja, nach neuesten Erkenntnissen des DFG-Grundlagenforschungsprojekts eigentlich aus 6 Prozent Verstand. Rein rechnerisch besteht Mädchen also aus 146 Prozent. Hätten Sie das gewusst?

Was ist Mädchen? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Stück „Mirjam & Myriam oder: Sieh dich vor, im Traum eines kleinen Mädchens gefangen zu sein“. Wie sieht denn ein Mädchentraum aus? Der Mainstream sieht ihn wahrscheinlich in einer rosafarbenen Glitzerwolke. Elfengleiche Mädchen mit hübschen Zöpfen schweben über Blumenwiesen, während sie sich mit Zuckerwatte vollstopfen und Einhörner striegeln. Also eher plüschig und rosa. Entspricht das aber dem, was Mädchen wirklich wollen und denken? Die Regisseurin Katharina Kummer hat sich dem Begriff „Mädchen“ über Interviews, Filme und Bücher aus den unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten und Sujets genähert. Die Interviews fließen teilweise wortwörtlich in die Inszenierung ein und ergeben so ein collageartiges Gesamtbild in einem besonderen Tonfall – eine umfangreiche, kreative Mädchen-Alb-Traum-Fantasie.

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Vorgefühlt: „The Beautiful Game“

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Foto: Matthias Baus für das Theater Koblenz

Das waren Bilder in Frankreich! Russische Hooligans prügeln sich in den Straßen von Marseille. Deutsche Hooligans gehen auf ukrainische Anhänger los, leere Plätze in den Stadien, Krawalle, Schlägereien, schlechte Stimmung – und all das im eh schon schwer angeschlagenen Frankreich. Die Europameisterschaft 2016 drohte zu einem Negativ-Spektakel zu werden, zumal die Uefa auch noch versuchte, den Fernsehsendern den Zugriff auf die Bilder zu verweigern. Insgesamt erst mal unschön.

Doch dann kamen die Fans der „Boys in Green“ aus Nordirland angereist. Sie sangen, tanzten, feierten und tranken sich in die Herzen der Europäer. Sie spiegelten eine Fangemeinde, die – ähnlich wie Island – gut gelaunt, freundlich, weltoffen und hilfsbereit nach Frankreich gekommen ist.

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Fünfmal #tweetupKO – ein Mini-Jubiläum

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Fotos (v.l.): Markus Dietze, Theater Koblenz
Eine feste Veranstaltung in unserem Spielplan sind die sogenannten Tweetups. Zweimal im Jahr laden wir Nutzer von Twitter dazu ein, kurz vor der Premiere einer Produktion eine Probe zu besuchen. Unsere Gäste twittern dann live aus dem Großen Haus und tragen ihre Erlebnisse sofort hinaus ins Netz. Bereits zum fünften Mal fand ein solcher Tweetup gerade bei uns statt. Im Fokus stand das Musical „The Beautiful Game“ von Andrew Lloyd Webber. Wir haben den Abend in einem Storify zusammengefasst.

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