Vorgefühlt: „Carmen“

Wer genau ist diese Frau? Und wie kann es dazu kommen, dass sie ihr Leben lassen muss? (Foto: Matthias Baus für das Theater Koblenz)

Die letzte Premiere dieser Spielzeit steht vor der Tür, und die möchten wir mit einem Open-Air-Spektakel auf der Festung Ehrenbreitstein, zur Einstimmung auf den Sommerurlaub, mit Ihnen feiern.

Was fällt Ihnen ein, wenn sie Spanien hören? Sicher kommen Ihnen eine Reihe von Begriffen in den Kopf, die sich klischeehaft festgesetzt haben.

Spanien bedeutet Sonne, Strand, Meer, Flamenco, Siesta, Fiesta, Stierkampf, umschwärmte Toreros, Rotwein, wilde Machos, Zigeuner, Schmuggler, Erotik, gutes Essen, Kastagnetten, rassige dunkelhaarige Frauen mit Blüten im Haar, Pilgerstätten und vieles mehr. Continue reading →

Vorgefühlt: „Das Grundgesetz“

(Foto: Matthias Baus für das Theater Koblenz)

An einem sonnigen Nachmittag, habe ich mich in den Garten zurück gezogen und genüsslich im Grundgesetz geschmöckert, schließlich garantiert mir dieser wichtige Text mein Recht auf freie Meinungsäußerung, Religionsfreiheit, meinen Frieden und noch vieles mehr, das ich hier gar nicht wie aus der Pistole geschossen aufzählen kann, weil ich mich nämlich vorher noch nie ausführlich mit dem Grundgesetz beschäftigt habe.

Continue reading →

0

Vorgefühlt: „Die verrückten Schlossgespenster“

Es spukt auf der Festung Ehrenbreitstein. Diese Annahme liegt nahe, schließlich bietet das alte Gemäuer unendlich viele Möglichkeiten für ein ungestörtes Gespensterleben. Und wer weiß schon so genau was sich in den vielen hundert Jahren, die es die Festung jetzt gibt, in den Kellergewölben und in den Sälen so zugetragen hat. Häufig hörte ich in der Nacht unheimliches heulen und schreien vom Festungsgelände.

Aber jetzt ist der Spuk endlich vorbei! Gestern habe ich ein Gespenst erwischt. Es huhute durch die Gewölbe und hat seine Zahnbürste gesucht. Ich grusele mich nämlich seit Wochen in der Nacht wie verrückt, wenn von der Festung diese unheimlichen Geräusche zu hören sind. Mit Ketten klirrende bleiche Untote habe ich mir vorgestellt, die mir nachts das Blut aussaugen wollen oder andere schreckliche Gestalten mit roten Augen und spitzen Zähnen. Und jetzt schwebte da gestern, als ich der Sache mal genauer auf den Grund gehen wollte ein kleiner vorwitziger Geist vor meiner Nase herum. Der hat sich vielleicht erschrocken als er mich da nachts getroffen hat. Gustav, ist sein Name und er hat mir erzählt, dass er sich sehr langweilt, weil nur sein Freund Louis noch mit auf der Festung wohnt. Sein anderer Freund, der Fritz hat sich verliebt und nun keine Zeit mehr für Gustav. Außerdem ist der Fritz ein Mensch, der immer Touristen durch die schönen Räume geführt hat. Das hat der Gustav gerne beobachtet und sich immer gefreut, wenn der Fritz sich den Kopf gestoßen hat oder so, der ist nämlich ein bisschen tollpatschig. Und dann ist die Französin Cecile aufgetaucht und der Fritz war plötzlich ganz verliebt.

Naja, jedenfalls sind die beiden Gespenster sehr nett und versuchen mich ständig zu erschrecken, das ist vielleicht lustig. Das Erschrecken scheint ein bisschen eingerostet zu sein, genauso wie Gustavs Witze, obwohl er die so gerne erzählt. Aber was mir da gerade einfällt: Warum braucht ein Gespenst eigentlich ein Zahnbürste? Die haben doch gar keine Zähne!…

Fragt den Gustav mal am Wochenende auf der Festung Ehrenbreitstein selbst, da will er seine Geschichte und die von Fritz und Cecile nämlich für Euch alle nochmal erzählen, damit er neue Freunde findet. Wenn Ihr Euch auch schon immer einen Gespenster-Freund gewünscht habt, müsst ihr unbedingt Gustav und Louis kennenlernen.
Premiere am 09.06.2017 um 18:00 Uhr Festung Ehrenbreitstein Lichthof.

Das Theaterfest am 3. Juni 2017

Clemens Wenzeslaus errichtete 1787 sein Theater den „vicinis suis“, seinen Nachbarn, also den Koblenzern und natürlich auch deren Freunden aus Nah und Fern. Das nehmen wir uns zu Herzen und wollen feiern: mit unseren Nachbarn und Freunden, unserem Publikum, mit Kindern, Erwachsenen, Theaterhungrigen und nach Vergnügen Dürstenden. Am Samstag, den 3. Juni 2017 ab 11:00 Uhr gibt es Theatermagie, Bühnenwunder, Tanz, Musik, Gesang, Unterhaltung und Information. Die Besucher können zuschauen, mitmachen, Kostüme ersteigern, bei Essen und Trinken verweilen und den Start in das Pfingstwochenende genießen.

Continue reading →

Vorgefühlt: „Ausgesetzt“ – Ein Wanderstück der Identitäter

 

Es ist warm. Die Sonne strahlt über der Stadt und ich sitze auf einer Bank am Brunnen neben der Basilika Sankt Kastor. Ein Audioguide erzählt mir die Geschichte des Brunnens, er fordert mich auf, meine Umgebung, die Lichtreflexe im Wasser, die Form der Anlage und die Begrenzungen des Geländes genau anzusehen und meine Umgebung mit all den sommerlichen Farben und Gerüchen wahrzunehmen.

Continue reading →

Vorgefühlt: „Zwiegespräch“ – Tanzabend von Kaho Kishinami und Michael Waldrop

Kaho Kishinamis „Statistik – normal?“ eröffnet den Doppelabend (Foto: Katharina Dielenhein)

Also, wenn ich hier das Sagen hätte, dann…

Ein Satz den die Meisten von uns schon mal in irgendeinem Zusammenhang gesagt oder heimlich gedacht haben. Stimmt es denn aber eigentlich, dass alles besser wäre, wenn man selber die Position des Vorgesetzten einnehmen könnte oder ist das nur so eine daher gesagte Floskel, die im Eifer des Gefechtes so raus rutscht. Die Gefahr, dass die andere Perspektive oder die Verantwortung nämlich doch nicht so einfach sind und andere Herausforderungen birgt, die man als Außenstehender gar nicht sieht, ist in jeder Branche ähnlich. Würde man aber einmal die Chance auf einen Positionswechsel auf Zeit bekommen und damit die Möglichkeit über den eigenen Tellerrand zu gucken, seine eigenen Qualitäten prüfen zu dürfen und Verständnis für den anderen zu entwickeln, dann könnte das eine Win-win-Situation sein.

Dem Ballettensemble bietet sich in der Reihe „50°N 7°O – Tanzt …“ genau diese Möglichkeit. Die Tänzer wechseln die Seite und können sich an eigenen Choreografien ausprobieren, die Steffen Fuchs dann professionell dramaturgisch unterstützt. Besonders hervorgehoben haben sich da in der letzten Veranstaltung von „50°N 7°O – Tanzt …“ Kaho Kishinami und Michael Waldrop. Steffen Fuchs hat den Ballettabend „Zwiegespräch“ in das Programm aufgenommen, um den beiden begabten Nachwuchs-Choreografen eine weitere Plattform zu bieten. Sozusagen einen nächsten Schritt auf der Karriereleiter.

Das Hauptthema des Abends, der sich aus zwei Teilen zusammen setzt, stellt Aspekte der menschlichen Kommunikation dar beziehungsweise den einzelnen Menschen in der Gesellschaft und sein Kommunikationsverhalten mit der Umwelt.

Den Abend eröffnet Kaho Kishinami mit „Statistik = normal?“ Sie hinterfragt statistische Darstellungen und die definierte Norm. Eine Statistik stellt bestimmte Sachverhalte als gegeben dar. Das Individuum wird dabei außer Acht gelassen. Wie jeder einzelne hinter der zusammengefassten Menschengruppe der Statistik wirklich denkt und fühlt, erfährt man nicht. Sind Menschen wirklich so leicht zu kategorisieren? Wie steht es um die Emotionalität hinter den Zahlen und was passiert mit Menschen, die durch das Raster fallen? Dieser Frage geht die junge Choreografin am Beispiel einer Schulklasse auf den Grund. Modern, fröhlich und unterhaltsam ist der erste Teil des jungen Ballettabends mit Musik von japanischen Komponisten.

„without the words“ ist der Titel der Choreografie von Michael Waldrop (Foto: Katharina Dielenhein)

Michel Waldrops Arbeit „without the words“ stellt in seiner Inszenierung die Emotionalität dar, die man nicht in Worte fassen kann. Der Umgang mit Trauer, Trennung und Schmerz in menschlichen Beziehungen steht im Vordergrund. Abstrahierte Bewegungen und amerikanischer Minimalismus zeigen in bewegenden Bildern das was nicht in Worte gefasst werden kann.

Zwei sehr unterschiedliche Inszenierungen erwarten Sie und gerade das macht den Abend zu einem abwechslungsreichen Erlebnis, der auch uns, die die Möglichkeit des Perspektivenwechsels nicht erhalten haben, einen frischen Blick auf das faszinierende Medium des Tanzes erhaschen lässt. Experiment geglückt!

Sie können den Tänzern ganz nah sein, denn Sie sitzen beim Spielort „Hinter dem Eisernen“ mit auf der Bühne. Und was nicht in Worte fassbar ist, müssen Sie sich am 27.05.2017 um 19:30 Uhr selber ansehen.

 

1 2 3 19